Fragen und Antworten zur Tempelhof-Debatte
Was wird aus dem Gelände des Flughafens Tempelhof? Soll es tatsächlich ein Flughafen für einen kleinen und exklusiven Club von Privatfliegern sein, die bequem in die Innenstadt kommen wollen? Oder soll es - wie es das Bündnis für ein flugfreies Tempelhof will - offen für alle Berlinerinnen und Berliner sein, mit neuen Erholungsangeboten und vielfältigen wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklungsmöglichkeiten? Hier finden Sie Argumente zu den Behauptungen der Befürworter der Flughafens.
Behauptung: Tempelhof müsse offen bleiben, um die Wirtschaftskraft der Stadt zu stärken.
Richtig ist: Eine weitere Offenhaltung Tempelhofs als Verkehrsflughafen, wie es im aktuellen Volksentscheid gefordert wird, gefährdet die Planung für den Großflughafen BBI und schwächt damit den Wirtschaftsstandort. Denn für BBI ist Planungsgrundlage, dass der Konsensbeschluss eingehalten wird. Ein neues Planfeststellungsverfahren würde bedeuten, dass Milliardeninvestitionen und Zehntausende Arbeitsplätze in Schönefeld in weite Ferne rücken. Im April 2007 sagte folgerichtig der CDU-Fraktionsvorsitzende Pflüger im Berliner Abgeordnetenhaus: „Es ist Konsens in diesem Haus. Wir sind uns einig. Halten Sie das doch einmal fest! Wir wollen alle miteinander, dass Tempelhof als Verkehrsflughafen für Linienmaschinen geschlossen wird.“ Das aber hieße: Für Normalbürger bleibt Tempelhof dicht, nur wegen einiger weniger Privatflieger sollen die Bürgerinnen und Bürger Berlins künftig auf die Nutzung des Geländes verzichten.
Behauptung: Die Kapazität des künftigen Großflughafens reiche nicht aus, Tempelhof werde gebraucht.
Richtig ist: Gebraucht wird BBI - weil er ein großer internationaler Flughafen sein wird, ausgelegt für 20 Millionen Fluggäste mit Umsteigemöglichkeiten, Landebahnen für große Maschinen wie z.B den Airbus A 380 und große Frachtmaschinen. Im übrigen ermöglicht uns die modulare Bauweise in Schönefeld nötigenfalls, die Kapazität des Großflughafens zu erweitern.
Behauptung: Es gebe bislang gar keine Planung für das Gelände.
Richtig ist: Fest steht: Das gesamte Gelände wird zur öffentlichen Nutzung für alle Berlinerinnen und Berliner geöffnet. Das Areal bietet Raum für vielfältige Planungen und Entwicklungen, deren Umsetzung einen längeren Zeitraum erfordert. Das ist auch deshalb notwendig, um eine wirksame Bürgerbeteiligung zu erreichen. Viele Berlinerinnen und Berliner haben bereits Ihre Ideen in die Foren der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung eingebracht. Die 386 ha große Fläche entspricht der Größe eines ganzen Stadtteils. Dafür muss man sich dann auch die notwendige Planungszeit nehmen.
Behauptung: Ohne Weiterbetrieb Tempelhofs entstünden dort keine neuen Arbeitsplätze.
Richtig ist: Jede neue Nutzung des Geländes wird auch Arbeitsplätze schaffen, ob durch Sport-, Freizeit- und Unterhaltungsangebote, ob durch Ansiedlung innovativer Unternehmen. Wichtig ist, dass die Konzepte realistisch sind und zu Berlin passen.
Behauptung: Mit Tempelhof verliere Berlin ein wichtiges Stück Geschichte und ein Symbol für den Freiheitswillen.
Richtig ist: Berlin behält und bewahrt diesen historischen Ort, auch wenn die Landebahnen künftig anders genutzt werden. Das Luftbrückendenkmal und die denkmalgeschützten Flughafengebäude bleiben erhalten, es gibt keinen Abriss. Daher bleibt Tempelhof der Stadt auch künftig als Symbol der Freiheit erhalten.
Behauptung: Der Flughafen Tempelhof sei erst durch Beschluss des Senats von der endgültigen Schließung bedroht.
Richtig ist: Die planmäßige Schließung geht auf einen „Konsensbeschluss“ der Bundesregierung unter Helmut Kohl (CDU), des Berliner Senats unter Eberhard Diepgen (CDU) und der brandenburgischen Landesregierung mit Manfred Stolpe (SPD) aus dem Jahre 1996 zurück. Um den Großflughafen BBI als Singleflughafen bauen zu können, wurde festgelegt, dass Tempelhof stillgelegt wird, wenn das Planfeststellungsverfahren für BBI rechtskräftig ist. Tegel muss sechs Monate nach Inbetriebnahme von BBI geschlossen werden. Der Senat setzt diesen Beschluss um.
Behauptung: Andere Städte beneideten Berlin um eine solche innerstädtische Lage.
Tatsache ist vielmehr, dass viele andere Städte ihre innerstädtischen Flughäfen aus Sicherheits-, Lärm- und/oder Kapazitätsgründen komplett geschlossen haben, so Liverpool-Speke 1984, München-Riem und Jakarta-Kemayoran 1992, Hongkong-Kai Tak 1998 und Athen-Elleniko 2001. In Helsinki-Malmi und Stockholm-Bromma gibt es entsprechende Überlegungen.
Der einzige neu angelegte City-Airport in London (1987) ist weiter von Westminster, dem britischen Parlament, entfernt als Schönefeld von der Berliner Mitte. Außerdem liegt er "in der Wildnis" (Norman Foster), in den ehemaligen Docklands, und die Einflugschneisen befinden sich über der Themse.