Pressemitteilungen
22.04.2008: Geschichte erlebbar machen:
„Park der Freiheit“ statt abgesperrtes Flughafengelände
Vorschlag des BUND Berlin für die Nachnutzung des Tempelhofer Feldes und deren Finanzierung
Die Debatte um die Schließung des Tempelhofer Flughafens zeigt die Verbundenheit der Berlinerinnen und Berliner mit der Geschichte des Tempelhofer Feldes. Bei Veranstaltungen, in vielen, teils hochemotional geführten Gesprächen, sowie in aktuellen Umfragen wird deutlich, dass selbst bei den Befürwortern des weiteren Flugbetriebs mehrheitlich nicht die eigentliche Aufrechterhaltung des Flugverkehrs ausschlaggebend für ihre Entscheidung ist. Denn ginge es nur um die Schließung eines innerstädtischen Flughafens ohne diese geschichtliche Bedeutung Tempelhofs wären die Mehrheitsverhältnisse klar gegen einen weiteren Flugbetrieb.
Kein Abriss, keine Brachfläche
Vielmehr stellen wir fest, dass vielen Menschen die Vorstellungskraft für eine zeitnahe Realisierung eines attraktiven, die Geschichte würdigenden Nachnutzungskonzepts fehlt. Auf die emotionale Bindung insbesondere der Westberlinerinnen und –berliner setzen daher auch die Initiatoren und Unterstützer des Volksentscheides, die zudem gezielt den falschen Eindruck vermitteln, dass das Tempelhofer Feld nach Schließung des Flughafens als innerstädtische Brachfläche oder zu einem Spekulationsobjekt verkomme. Ebenso wenig trifft die Befürchtung zu, dass ein Abriss des weltweit bekannten und emotionsbehafteten Flughafengebäudes drohe.
Der Flugbetrieb würdigt nicht den historischen Ort
Dabei ist eines klar: Mit dem Weiterbetrieb des Flughafens wird die Geschichte dieser „mother of all airports“ (Sir Norman Foster) genauso wenig erlebbar wie bisher, bleiben Gebäude und Freifläche immer noch für die große Mehrheit unzugänglich. Die Geschichte des Tempelhofer Feldes, die weit vor der fliegerischen Nutzung einsetzt, beginnt unter bürgerschaftlichen Aspekten: Bevor hier die Berliner Bevölkerung ausgesperrt wurde, fanden eben nicht nur kaiserliche Paraden und Manöver statt. Zum Charakter dieses Volksparkes gehörte seit je her das Nebeneinander, die zivile Aneignung des damals am Rande der Stadt gelegenen Terrains. Naturerleben, Picknickfreuden und Freiluftsport, Pferde-, Hunde und Radrennen, Badevergnügen in den zahlreichen Naturgewässern waren die Attraktion für die Berliner Großstadtmenschen.
Mit dem B.F.C. Germania 1888 wurde hier der erste Fußballverein Deutschlands gegründet. Die Flugversuche der Gebrüder Wright wurden vor Ort von 150.000 begeisterten Menschen gefeiert, ehe sich seit dem Bau des gigantischen Berliner Zentralflughafens die Tore, bzw. Stacheldrahtzäune für lange Zeit schließen sollten.
Geschichte erlebbar machen: „Park der Freiheit“ statt abgesperrtes Flughafengelände
Den Bürgerwillen ernst zu nehmen, bedeutet daher für den BUND Berlin zügig ein Konzept zu verwirklichen, welches die historische Bedeutung des Flughafengebäudes und des Flugfeldes erlebbar macht. Tempelhof wird als Symbol der Freiheit wahrgenommen.
Zurecht sind die Berlinerinnen und Berliner dem Tempelhofer Feld emotional verbunden.
Hier liegt ein großes Potenzial für die weitere Entwicklung dieser innerstädtischen Fläche. Mit der Unterstützung der Bürgerinnen und Bürger sowie verantwortungsbewussten Unternehmen können Gedenken und Naturerlebnis in der Stadt neu gestaltet werden: Ein „Park der Freiheit“ wird zusammen mit einem Luftbrückenmuseum die besondere Geschichte dieses Ortes erlebbar machen.
Die Konzeption der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung für die „Tempelhofer Freiheit“ bietet eine erste Grundlage - ausgefüllt und komplettiert werden muss sie jedoch durch das Engagement der Bürgerinnen und Bürger. Wie gesagt: der Wahlkampf im Vorfeld des Volksentscheides hat zu jeder Gelegenheit gezeigt, dass nicht nur die Herzen der Berliner, sondern auch die internationale Aufmerksamkeit auf diesen Symbolort gerichtet sind.
Bürgerengagement nach Vorbild des „Central Parks“ sichert den „Park der Freiheit“
Um hier ein tragfähiges Konzept zu verwirklichen, will der BUND Berlin eine Bürgerstiftung „Park der Freiheit“ initiieren, die gemeinsam mit dem Berliner Senat und den Bezirken das Management und die Pflege des Parks und des „Luftbrückenmuseums“ übernimmt. Zwei erfolgreiche und weltweit anerkannte Vorbilder für dieses Konzept sind die „Central Park Conservancy“ in New York und der Bürgerpark in Bremen.
Der 340 Hektar große Central Park in New York ist nicht nur einer der bekanntesten und beliebtesten Parks weltweit, er ist auch ein Erfolgsmodell für bürgerschaftliches Engagement. Entwicklung und Erhaltung des Parks sowie attraktive Freizeit- und Kulturangebote wurden bewusst in Bürgerhand gegeben. Nachdem der Park in den 1970er Jahren zunehmend verwahrloste, gar als „Dust Bowl“ bezeichnet wurde, gründetet sich 1980 die „Central Park Conservancy“ (www.centralparknyc.org ). Seitdem wurden 450 Millionen Dollar für den Park gesammelt. Stiftungen und Unternehmen, Bürgerinnen und Bürger, privates Kapital und öffentliche Förderungen haben diese große Summe erbracht. Das Parkmanagement erfolgt in einer Public Private Partnership: Auch hier wird gemeinsam mit den Bürgern die Gestaltung und Pflege des Parks organisiert.
Der mit dem Tempelhofer Feld vergleichbar große Bürgerpark in Bremen stellt mit seinen 202 Hektar das gelungene Beispiel aus Deutschland dar. Die Einmaligkeit dieses beliebtesten Parks in Bremen basiert ebenfalls auf dem Engagement der Bremer Bürgerinnen und Bürger, die in Eigeninitiative und mit großem Spendenaufwand seit 142 Jahren ihren Park hegen und pflegen. Der jährliche Haushalt des Bürgerparks beträgt 2,0 - 2,5 Mio. Euro (mehr unter www.buergerpark.de ), die Stiftung und der Bürgerparkverein setzen hier über die Grenzen Bremens hinaus Zeichen mit ihrer verantwortungsbewussten Umsetzung eines zivilgesellschaftlichen Erfolgskonzepts.
Tempelhof hat internationales Finanzierungspotenzial
Für die entsprechende Realisierung eines „Parks der Freiheit“ bietet das Tempelhofer Feld optimale Ansätze. Aufgrund der weltweiten Symbolwirkung als Ort der Luftbrücke, die nicht nur die Freiheit West-Berlins sicherte, sondern zugleich den Beginn der Freundschaft zwischen Deutschland und der westlichen Welt nach dem 2. Weltkrieg markiert, hat die Realisierung des „Parks der Freiheit“ ein – ebenso internationales - Finanzierungspotenzial, wie wohl kein anderes Projekt in Berlin. Diese einmalige Gelegenheit gilt es jetzt zu nutzen – für das Wohl der Stadt und der Menschen. Statt weiterhin inmitten der Großstadt einen defizitären Flughafen zu betreiben, kann etwas Tragendes entstehen, das die Berliner und Berlinerinnen nicht nur wollen, sondern das auch lokales Engagement und Weltstadtniveau vereint.
Damit diese Chance genutzt werden kann, will der BUND Berlin bis September 2008 den Aufbau der Stiftung „Park der Freiheit“ initiieren und setzt dafür auf die Unterstützung der Bürgerinnen und Bürger.
20.04.2008: BUND: IHK und Handwerkskammer ignorieren Belastungen durch Flugbetrieb von 460.000 Menschen
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat die Forderungen von IHK und Handwerkskammer nach einem Weiterbetrieb des Flughafens Tempelhof und einer Aufweichung des Nachtflugverbotes am Flughafen BBI Schönefeld scharf kritisiert.
Tilmann Heuser, BUND-Landesgeschäftsführer: „Mit ihren Forderungen zu Tempelhof und Schönefeld haben die Wirtschaftsverbände deutlich gemacht, dass ihnen Menschen, Umwelt und Klimaschutz ziemlich egal sind. Tempelhof offen zu halten, bedeutet mehr Fluglärm für zehntausende von Anwohner in den dicht besiedelten Stadtteilen um den Flughafen. Und dies, damit einige wenige Geschäftsflieger
15 Minuten sparen können. Die von den Wirtschaftsverbänden geforderte Aufweichung des Nachtflugverbotes für den Flughafen heißt, dass die Betroffenen nachts nicht mehr richtig schlafen können und so in ihrer Gesundheit massiv beeinträchtigt werden.“
Für absolut irreführend hält der BUND Berlin den Verweis der Wirtschaftsverbände auf „innerstädtische“ Flughäfen in anderen Metropolen. Selbst vom London City Airport brauche man ebenso lang in die Londoner Innenstadt wie von Schönefeld ins Regierungsviertel. Zudem lägen die Flughäfen nicht mitten in dicht bebauten Wohngebieten.
Tilmann Heuser: „Die Vielflieger, die den Erhalt des Flughafens Tempelhof fordern, sollten es eigentlich aus eigener Erfahrung wissen. Während in Tempelhof das Ende von Start- und Landebahn nur 100 Meter entfernt von der Wohnbebauung liegt, befindet sich der City Airport in London in einem Industriegelände. In Washington erfolgen An- und Abflug über den Potomac.“
Nicht plausibel seien zudem die Befürchtungen der Wirtschaftsverbände, dass der Flughafen BBI Schönefeld bereits nach seiner Eröffnung an seine Kapazitätsgrenzen stoße. Sollten die Prognosen, die bis zu 10 % Steigerung des Flugverkehrs pro Jahr unterstellen, zutreffen, wäre nach Ansicht des BUND Berlin das Kapazitätsproblem das Geringste aller Probleme.
Tilmann Heuser: „Wenn der Flugverkehr tatsächlich so rasant wächst, wie es die IHK unterstellt, ist der Klimawandel nicht mehr aufzuhalten. Bereits heute ist die Klimabelastung durch den Flugverkehr fast so hoch wie durch den Pkw-Verkehr.“
Der BUND forderte daher die Berlinerinnen und Berliner daher erneut auf, sich am Volksentscheid zu Tempelhof zu beteiligen und mit NEIN gegen Fluglärm und damit ja für eine stadt- und menschenverträgliche Nutzung des Tempelhofes zu stimmen.
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND Berlin) zum Berliner Volksentscheid am 27. April:
„Wir sind davon überzeugt, dass eine Mehrheit der Berlinerinnen und Berliner sich gegen einen Verkehrsflughafen in der Stadt mit hohen Lärm- und Schadstoffbelastungen für Zehntausende entscheiden wird. Bisher haben sich erst 8 % für den Weiterbetrieb beim von der ICAT initiierten Volksbegehren ausgesprochen.
Beim Volksentscheid am 27. April haben die Berlinerinnen und Berliner die Möglichkeit, sich für die Entwicklung eines Parks, zusätzlicher Arbeitsplätze und für einen würdigen Erinnerungsort zu entscheiden“, so Tilmann Heuser, Landesgeschäftsführer des BUND.
07.03.2008: Bündnis stellt Plakatkampagne vor
Am Freitag, den 7.3.2008, hat das Bündnis für ein flugfreies Tempelhof seine Plakate vorgestellt. Mit den drei Motiven wird das Bündnis ab dem Wochenende stadtweit für ein "NEIN" zum Flugbetrieb in Tempelhof werben.
Die Menschen, die sich für die Plakate zur Verfügung gestellt haben, stehen für die vielen Berlinerinnen und Berliner, die sich gegen einen Flugbetrieb mitten in Wohngebieten aussprechen.
27.02.2008: Bündnis wirbt für ein flugfreies Tempelhof
Am Mittwoch, den 27.2.2008, hat sich das Bündnis für ein flugfreies Tempelhof mit einer Pressekonferenz vorgestellt. Gemeinsames Ziel der Parteien SPD, DIE.LINKE, Bündnis´90/Die Grünen, der Umweltverbände BUND und NABU, des Verkehrclubs Deutschland (VCD), der AWO Berlin sowie verschiedener Bürgerinitiativen ist es, bis zum Volksentscheid bei den Berlinerinnen und Berlinern für ein NEIN zu einem weiteren Flughafenbetrieb und ein JA für ein menschen-, natur- und stadtverträgliches Nutzungskonzept zu werden.
Video von der Pressekonferenz
Hinweis: Das Video steht auch unter YouTube.de
Die Kernaussagen der Vertreter der Bündnispartner bei der Pressekonferenz waren:
Tilmann Heuser, Landesgeschäftsführer BUND
„Tempelhof ist ein Anachronismus, keine Stadt würde heute einen derartigen innerstädtischen Flughafen mit massiven Lärm- und Schadstoffbelastungen genehmigen. 350 Hektar umfasst das Flughafenareal, das ist fast doppelt so groß wie der Tiergarten. Nach der Schließung kann endlich der Freiraum für Mensch und Natur in diesem dichtbesiedelten Gebiet genutzt werden. Das entlastet auch die anderen Berliner Grünflächen. Und entgegen der Vermutungen vieler Bügerinnen und Bürger: Das denkmalgeschützt Flughafengebäude wird nicht abgerissen, sondern in Zukunft sinnvoll genutzt.“
Manfred Hermann, „Bürgerinitiative flugfreies Tempelhof“ (BIFT)
„460.000 Menschen leben in direkter Nähe zu Tempelhof und würden bei einem Weiterbetrieb von Fluglärm beeinträchtigt. Notlandeflächen sucht man in Tempelhof vergeblich. Wir hoffen daher, dass der tödlich Absturz vor sieben Jahren in Neukölln der letzte bleibt. Ja, wir denken gute Chancen zu haben, eine Mehrheit an Nein- Stimmen zu sammeln und den Volksentscheid in unserem Sinne zu gewinnen. Nach über 85 Jahren darf Tempelhof in die verdiente Rente gehen.“
Michael Müller, Landesvorsitzender der Berliner SPD
„Bei der Frage, was mit Tempelhof geschehen soll, handelt es sich nicht um eine parteipolitische Auseinandersetzung, obschon die CDU sie dafür auszunutzen versucht. Vielmehr geht es um die Sache, nämlich eine mit demokratischen Mitteln geführte Kampagne, die für die Schließung des Verkehrsflughafens Tempelhofs eintritt. Jetzt, nachdem das Volksbegehren erfolgreich war, haben wir als Bündnis die Möglichkeit, uns aktiv für die Nein-Stimmen zu engagieren.“
Heidemarie Fischer, stellv. Landesvorsitzende der Arbeiterwohlfahrt (AWO)
„Für uns ist es das oberste Ziel, den Bau von BBI nicht zu gefährden. Es kann nicht sein, dass 40.000 Arbeitsplätze so einfach aufs Spiel gesetzt werden. Viele Menschen haben sich bereits auf BBI eingestellt, haben ihre Hoffnungen darauf gesetzt und sind sogar dorthin umgezogen. Jetzt das Projekt in Frage zu stellen, indem Tempelhof offen bleibt, ist verantwortungslos“.
Irmgard Franke-Dessler, Landesvorsitzende von Bündnis90/Die Grünen
„Man muss sich Gedanken machen und kreative Ideen für die Nachnutzung des Flughafenareals entwickeln ohne dabei etwas zu überstürzen. Für eine so belastete Stadt wie Berlin kann ein Gelände mitten in der Stadt wie eine grüne Lunge sein. Ich bin beeindruckt, wie die ICAT es geschafft hat, so viele Berliner und Berlinerinnen zu motivieren, gegen ihre eigenen Interessen zu stimmen. Wir würdigen Tempelhof nicht, indem wir dort weiterhin einige wenige Geschäftsleute fliegen lassen. Tempelhof muss offen für alle sein.“
Klaus Lederer, Landesvorsitzender der Berliner Linken
„Die Schließung Tempelhofs steht in einem planungsrechtlichen Gesamtkontext. BBI ist eines der wichtigsten, wenn nicht das wichtigste Zukunftsprojekt der Stadt und darf dementsprechend nicht gefährdet werden. Verständlicher Weise ist die Offenhaltung Tempelhofs für die Menschen aus dem Ostteil der Stadt keine Herzenssache. Überhaupt hatte die ICAT Kampagne der letzten Wochen reichlich wenig mit der Lebenswirklichkeit Ostberlins zu tun. Die Argumentationslage für die Schließung Tempelhofs ist m. E. so erdrückend, dass daran keine Zweifel aufkommen können. Jetzt geht es darum, der Öffentlichkeit dies zu vermitteln.“
Torsten Hauschild, Landesvorsitzender des Naturschutzbundes Deutschland (NABU)
„Wir werden Vorschläge für eine naturverträgliche Nachnutzung von Tempelhof machen, bei denen die Bevölkerung nicht ausgeschlossen sein wird. Ich sehe große Chancen die Nachnutzung des Flughafengeländes umwelt-, natur und menschengerecht zu gestalten.“
Oswald Richter, Landesvorsitzender des Verkehrsclubs Deutschland (VCD)
„Die Schließung von Tempelhof ist die Voraussetzung für die verkehrliche Erschließung des Flughafengeländes. Vielfältige Möglichkeiten bieten sich hierbei an, beispielsweise liegen seit Jahrzehnten Pläne für eine nahe gelegene S-Bahn Station in den Schubladen. Dabei muss die Verkehrs- und Stadtplanung ökologisch verantwortbar geschehen.“